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Für einen sozialen, ökologischen und demokratischen Wandel - IG Metall demonstriert für #Fairwandel

Unter dem Motto „FairWandel – sozial, ökologisch, demokratisch“ demonstrierten heute Metallerinnen und Metaller im Rahmen des bundesweiten Aktionstags #Fairwandel in der Nürnberger Südstadt. Sie forderten sichere und gute Arbeitsplätze sowie einen klimafreundlichen Umbau der Industrie in Nürnberg.


Ab 10:00 Uhr trafen sich am 29.10.2021 rund 1000 Metallerinnen und Metaller aus Nürnberg und dem Nürnberger Land, um vor dem Süd-Tor der Siemens AG am Standort in der Vogelweiherstraße für sichere und gute Arbeit in einer klimafreundlichen Industrie zu demonstrieren.
 

„Deutschland muss Industrieland bleiben!“

„Es geht um viel. Jetzt werden die Weichen für unsere Zukunft gestellt“, machte der Geschäftsführer der IG Metall Andreas Weidemann mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin deutlich. „Sichern wir mit einem sozial-ökologischer Wandel Arbeitsplätze oder betreiben wir Kahlschlag und Deindustrialisierung unter dem Mantel der Corona-Pandemie? Gibt es Zukunftsinvestitionen in Bildung und Infrastruktur oder ein starres Festhalten an der schwarze Null? Entwickeln wir die sozialstaatlichen Leistungen weiter oder setzen auf weitere Privatisierung staatlicher Aufgaben? Deutschland muss Industrieland bleiben! Der dafür notwendige Wandel muss jetzt aktiv gestaltet werden – sozial, ökologisch und demokratisch. Dafür treten wir als IG Metall Nürnberg ein.“

Aktionstag Nürnberg 2021 Andreas Weidemann

ANDREAS WEIDEMANN, 1. Bevollmächtiger der IG Metall Nürnberg

Neben Andreas Weidemann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg, sprachen Vertreter aus den Nürnberger Betrieben auf ihre konkrete betriebliche Situation aufmerksam zu machen. So sprachen unter anderem:

  •      Kerstin Donn – Betriebsratsvorsitzende, Siemens AG - Standort Vogelweiherstraße
  •      Patrick Pakai – Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter, ZF-Gusstechnologie Nürnberg für die Jugend
  •      Jürgen Philipp – Betriebsratsvorsitzender, ZF-Gusstechnologie Nürnberg
  •      Markus Wansch – Betriebsratsvorsitzender, MAN Truck & Bus SE


 

Nürnberger Betriebe müssen die Weichen für die Zukunft stellen

Bei MAN Truck und Bus SE in Nürnberg stehen Investitionen in umweltfreundlichere Antriebe ganz oben auf der Forderungsliste von Betriebsrat und IG Metall. Neben der Produktion von umweltfreundlicheren Verbrennungsmotoren als Brückentechnologie fordern die Arbeitnehmervertreter die Batteriefertigung für die LKW-E-Mobilität in Nürnberg anzusiedeln. „Zusätzlich brauchen wir weitere Komponenten für E-Fahrzeuge, um die Beschäftigung zu sichern. Aber auch die Alternative Wasserstoffantriebe muss in Nürnberg weiter vorangetrieben werden, um mehrere Standbeine bei den neunen Technologien zu haben“, so der MAN Betriebsratsvorsitzende Markus Wansch.

Auch beim Siemens NMA, dem Nürnberger Maschinen- und Anlagenwerk, reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Nach dem Abschluss eines Interessensausgleichs im Frühjahr 2021, mit einem verbundenen Personalabbau von über 260 Beschäftigten aber auch Zusagen zu Investitionen und einer Neuausrichtung des Standortes Vogelweiherstraße, hat nun der Vorstand der Siemens AG beschlossen, den Geschäftsbereich LDA auszugliedern. Hiervon sind am Standort Nürnberg ca. 900 Beschäftigte betroffen. Der Geschäftsbereich LDA liefert Elektromotoren und Umrichter unter anderem für die Petrochemie, die Öl- und Gasindustrie und an Minenbetreiber.

Aktionstag Nürnberg 2021 Kerstin Donn

Kerstin Donn, Betriebsratsvorsitzende Siemens AG

„Statt sich aktiv der Transformation zu stellen und den Geschäftsbereich LDA neu aufzustellen und somit weiterhin einen aktiven Beitrag zur Energieeinsparung, auch in den Bereichen Öl- und Gasförderung zu leisten, betreibt Siemens ein Greenwashing auf Kosten der Arbeitnehmer. Ausgliederung statt Transformation - das darf nicht die Devise sein und ist ein fatales Signal an Beschäftigte und Gesellschaft. Der Geschäftsbereich LDA muss Teil der Siemens AG bleiben!“ so Kerstin Donn, Betriebsratsvorsitzende der Siemens AG Vogelweiherstraße.

Auch der ZF Konzern steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Der Automobilzulieferer richtet sich auf Elektromobilität und autonomes Fahren aus. Die Werke müssen entsprechend in Richtung Elektromobilität transformiert werden. Die Nürnberger ZF Gusstechnologie ist hiervon besonders betroffen.

Aktionstag Nürnberg 2021 Markus Wansch

Markus Wansch, Betriebsratsvorsitzender MAN Truck & Bus Nürnberg

Jürgen Philipp, Betriebsratsvorsitzender der ZF in Nürnberg: „Als Inhouse-Gießerei liefern wir fast ausschließlich in den ZF Konzern Getriebegehäuse und Steuerteile aus Aluminium. Wir konnten in einem ersten Schritt das Werk bis Ende 2027 absichern. Die größte Herausforderung bleibt aber noch unbeantwortet. Was werden wir fertigen, wenn die aktuelle Getriebegeneration ausläuft? Wir benötigen zukunftsfähige Produkte aus dem Bereich der Elektromobilität, um die Gießerei in Nürnberg langfristig zu sichern.“

Logo zum Fairwandel Aktionstag am 29.10.2021Bundesweit gingen am 29. Oktober zehntausende Metallerinnen und Metaller in vielen kleinen und großen Städten auf die Straße, um ihren Forderungen an die nächste Bundesregierung Nachdruck zu verleihen. Sie forderten den Verzicht auf Entlassungen in der Transformation, eine tragfähige Perspektive für zukunftsfähige Arbeitsplätze, eine Qualifizierungsoffensive und sichere Ausbildung vor Ort anstelle von Verlagerungen ins Ausland. Bis 2030 braucht es öffentliche Zukunftsinvestitionen in Höhe von 500 Milliarden Euro, so eine weitere Forderung. Die Lasten müssen gerecht verteilt werden und die notwendigen Investitionen durch solidarische Finanzierung getragen werden.

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